Interviews
erschienen in der Weltwoche Ausgabe 36/2010
Markus A. Will verrät, warum er bad banker geschrieben hat und was Banken in der Krise und danach kommunikativ falsch gemacht haben.
Ihr Finanz-Thriller erscheint zum Jahrestag der Pleite von Lehman Brothers. Haben Sie vor zwei Jahren Geld verloren?
Ja, und zwar nicht zu wenig. Nicht mit Lehman-Zertifikaten - ich besitze keine Zertifikate, ich halte das für den Normalbürger vergleichsweise für unsinnig -, aber Geld habe ich durch die allgemeine Entwicklung an den Börsen 2008 und 2009 auf dem Papier verloren. Wenn man nicht verkauft, dann bleibt's ja liegen. Inzwischen sieht es schon wieder besser aus.
Dann nehmen Sie also nicht schriftlich Rache?
Nein, überhaupt nicht. Ich wollte schon immer mal einen Roman, ein belletristisches Werk, über ein Wirtschaftsthema schreiben, und die Finanzkrise hat mir dazu einen guten, realistischen Nährboden gegeben, auf dem ich eine fiktionale Handlung wachsen lassen konnte. Auch wenn das Buch «Bad Banker» heisst, verstehe ich es als einen Appell an good banking.
Nach dem Kollaps der Investmentbank erreichte die Suizidrate im Oktober Spitzenwerte. Kannten Sie persönlich Selbstmörder?
Nein. Ich selber bin ja auch seit über zwölf Jahren aus dem Investmentbanking raus. Ich habe noch immer den einen oder andern freundschaftlichen Kontakt, und Gott sei Dank sind alle noch am Leben. Sie gehören auch zu den guten oder vernünftigen Bankern. Diese Suizidrate muss man ein bissehen im Lichte der Parallelwelt sehen, in der viele Investmentbanker leben. Als diese Blase für sie zerplatzte, haben manche nur noch diesen Ausweg gesehen. Das ist sehr traurig.
Bernard «Bernie» Madoff schmort im Gefangnis. Bedauern Sie ihn?
Natürlich nicht. Der Mann hat im grossen Stil -über 60 Milliarden Euro -betrogen und wurde rechtskräftig verurteilt. Dass die Amerikaner immer gleich Urteile von 150 Jahren aussprechen, ist Teil des amerikanischen Rechtssystems.
Sie lehren Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen. Wie kummuniziert man den Bankrott?
Ein Bankrott ist, ökonomisch betrachtet, das Eingeständnis, dass man als Unternehmen gescheitert ist. Dass man mit seinen Produkten, mit seinen Dienstleistungen nicht genügend Kunden gefunden hat oder keine entsprechende Marge bekommen hat, die einen eine schwarze Null schreiben lässt über mehrere Jahre. Da gibt es nicht viel mehr zu kommunizieren, als zu sagen: «Das war's.» Ehrlichkeit und Authentizität sind die Grundpfeiler für gute Kommunikation. Dann kann man auch wieder neu beginnen.
Wird das Ansehen des Bankers je wieder das alte erlangen?
Wenn ja, wird es dauern. Ich bin da skeptisch, weil das, was 2008 in der Lehman-Pleite am 15. September kulminierte, erheblichste Nachwirkungen hatte. Die Banken haben in meinen Augen viel zu wenig ihre Verfehlungen eingestanden. Jetzt winden sie sich, dass es nicht zu starke Regulierungen gibt. Wenn Banken das alte Vertrauen wiedererlangen wollen, müssen sie authentischer werden und in einen Diskurs mit der Öffentlichkeit eintreten.
Wo hat ein Laie grössere Chancen: an der Börse oder im Casino?
Wenn man an der Börse vorsichtig und mit einer längeren Frist agiert, kann man aus meiner Sicht sowohl mit Aktien als auch mit Anleihen einen auskömmlichen Gewinn erzielen. Wobei man heute feststellen muss, dass die Schwankungen der Börsenentwicklungen viel häufiger vorkommen und viel stärker sind als früher.
Wie viel sollte man mindestens auf der hohen Kante haben, wenn man im Börsengeschäft mitspielen will?
Man kann mit ganz wenig Geld an der Börse operieren, das können hundert oder tausend Franken sein. Sie haben den richtigen Ausdruck verwendet: auf der hohen Kante. Alles, was man an der Börse investiert, sollte Geld sein, das man übrig hat.
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