Rezensionen
Über die jüngste globale Finanzkrise wurde viel geschrieben. Politiker wie Wissenschaftler betrieben in dicken Wälzern Ursachenforschung.
Markus Will hat das auch getan, aber auf viel unterhaltsamere Art. Er hat den Krimi zur Finanzkrise geschrieben. "Bad Banker" heisst er. Sein 734-Seiten-Werk ist eine Mischung aus Fiktion und Realität.
Echt ist der zeitliche Rahmen, der 2007 beginnt und im Heute endet. Realitätsnah ist auch die Beschreibung der Finanzkrise, die ihre Ursache in den risikoreichen strukturierten Derivaten hat, die bei Will den niedlichen Namen Holiris tragen.
Frei erfunden sind dagegen die Namen der handelnden Personen und Institutionen. Es gibt keine Carolina Bank, keinen Bankenchef Donald F. Kramer, keinen Chef des Kapitalmarktbereichs namens Mitch Lehman (!) und keine Finanzingenieurin Isabella Davis.
Und doch kommen einem die Personen und deren Handlungen so bekannt vor. Ja, denkt der Leser, so könnte es gewesen sein, so könnten die Bad Banker ihre toxischen Papiere entwickelt und in den tödlichen Umlauf gebracht haben. Die realistische Nähe zum Objekt kommt durch Wills berufliche Vergangenheit, denn er arbeitete für Merrill Lynch und später für die Deutsche Bank in Frankfurt und London. Angereichert hat Will seinen Finanzschmöker mit Sex, Drugs und ein paar (Selbst-)Morden. "Solche Ingredienzen gehören einfach dazu", sagt der Autor und beteuert, dass er sich damit nicht allzu weit von der Realität entfernt habe.
Wie schön, dass letztlich der Good Banker Carl Bensien, der immer vor den Risiken gewarnt hatte, als Chef der Carolina Bank überlebt.
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