Rezensionen
Markus A. Will zeigt mit seinem Buch „ Bad Banker“, dass Aufklärung und Unterhaltung kein Widerspruch sind.
Noch ein Buch über die Finanzkrise? Gut zwei Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im Herbst 2008 füllen die Werke über den Jahrhundert-Crash inzwischen ganze Regale in den Buchhandlungen. Meist sind es jedoch trocken geschriebene Sachbücher, in denen die moderne Tragödie ebenso abstrakt und unwirklich erscheint, wie sie sich für die meisten Menschen außerhalb der Finanzzentren bis heute darstellt. Eine emotionale Annäherung an die Story der Krise und ihre Protagonisten findet kaum statt. Diese zugegeben schwierige Aufgabe überlassen die Autoren lieber Oliver Stone, dessen Film „Wall Street 2“ seit gestern in den deutschen Kinos ist.
Markus A. Will versucht mit seinem Finanzthriller „Bad Banker“ die Lücke für die schreibende Zunft zu füllen. Sein Vorhaben ist ebenso ehrenhaft wie ambitioniert. Der in der Schweiz lebende Autor will seine Leser auf 730 Seiten nicht nur über die Parallelwelt der Finanzprofis aufklären. Er will sie zugleich mit einem Krimi unterhalten. Inweiten Teilen gelingt Will der heikle Balanceakt zwischen diesen beiden Polen ganz gut. Hin und wieder steht jedoch der aufklärerische Drang dem Lesefluss im Weg. Etwa wenn Will bis ins Detail die Funktion komplexer Finanzinstrumente erklärt. Nur am Ende ist es umgekehrt: beim Showdown zwischen guten und „bad“ Bankern lässt der Autor seiner Fantasie derart freien Lauf, dass selbst James Bond die Puste ausgehen dürfte.
Reizvoll ist das Buch aber vor allem deshalb, weil hier ein Insider schreibt. Will hat viele Jahre in den Finanzzentren London und Frankfurt gearbeitet. Er weiß daher nicht nur, womit die Banker tagsüber an ihren Computerbildschirmen ihr Geld verdienen, sondern auch, wie sie es nach Feierabend wieder ausgeben.
Sein Plot entführt den Leser an die Wall Street in New York kurz vor ihrem Untergang, jagt ihn durch die Gassen der aufgewühlten Londoner City bis hinauf in die verschneite, trügerische Stille der Schweizer Berge. Es geht um gierige Investmentbanker, irregeleitete Finanzjournalisten und honorige Privatbankiers. Will gelingt es dabei, seine Geschichte eng mit den Ereignissen der Krisenjahre 2007/08 zu verbinden. Er lässt auf diese Weise die Finanzhistorie lebendig werden.
Kenner der Finanzszene werden im „Bad Banker“ viele Anspielungen finden. Bei Wills „Carolina Bank“ denkt man unwillkürlich an die Bank of America aus Charlotte. Dass er den Bösewicht in seinem Thriller ausgerechnet „Lehman“ nennt, ist ebenfalls kein Zufall. Erhellend ist auch, wie Will den Teufelspakt zwischen den in einer künstlichen Modellwelt gefangenen Finanzingenieuren und gierigen Investmentbankern offenlegt. Nur die doppelte Wandlung der Finanzjournalistin Carla Bell von der investigativen Reporterin zur „Informations-Nutte“ und wieder zurück zur geläuterten Heldin kann nicht wirklich überzeugen.
Unterm Strich hatWill ein lesenswertes Erstlingswerk geschrieben. Spannender als sein Thriller ist nur die Wirklichkeit der Krise, wie sie Andrew Ross Sorkin in seinem Buch „Die Unfehlbaren“ dokumentiert hat.
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